Nichtraucher-Pausen: “Ich geh’ mal eine atmen.”

achtsam lernen – Achtsamkeit kultivieren

Das Gespür für den nächsten Lernschritt – im Zentrum der Interaktion zwischen Lehrerin und Schüler – wird heute oft gestört. Der nächste Entwicklungsschritt im bunten Treiben dessen, was an Bildungseinrichtungen stattfindet, kann sein, der Lernbereitschaft überhaupt erst einmal wieder näher zu kommen.

Aktuelle neuro-wissenschaftliche Studien zeigen immer mehr, wie eng Bildung und seelische Faktoren anatomisch und vom Stoffwechsel her zusammenhängen, mit sehr ähnlichen neuronalen Aktivierungsmuster und Ausschüttungen von Botenstoffen und Hormonen. Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit gehen mit der entsprechenden Muskelspannung, Herzaktivität, Körpertemperatur und Hormonwerten einher.

Achtsamkeit

Achtsamkeit wird hier als übergeordneter Terminus verwendet, vor allem im landläufigen Sinne, aufmerksam und wachsam zu sein, vorsichtig, richtig zu handeln, sich auf das Wichtige zu besinnen, auf wichtige Lehrinhalte und einen förderlichen Umgang miteinander und mit sich selbst. Achtsamkeit im erweiterten Sinn beinhaltet als Konzept der Psychohygiene die bewusste Lenkung von Aufmerksamkeit und der empathischen Konzentration auf Wesentliches, auf Rituale und die Metaebene, das eigene Handeln wohlwollend kritisch zu beobachten. Das psychotherapeutische Achtsamkeits-Konzept ist unabhängig von der buddhistischen Tradition. Entsprechend der „Care“-Bedeutung wird Achtsamkeit als Einstellung auf die Belange von Mitmenschen verstanden.

Achtsamkeit kultivieren

Achtsamkeit als bewusste Intervention zur Prävention „ist die willentliche und nichtwertende Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Moment.“ (nach Kabat-Zinn). Achtsame Menschen bemühen sich um die Sensibilisierung für ihren Körper, die Gefühle, Stimmungen, Gedanken und Wahrnehmungen/ Geistesobjekte. Allein die Entscheidung zugunsten einer zunehmend achtsameren Gestaltung des Alltags hat ein beachtliches Wirkpotential. Ziel ist die gelassene Beobachtung, die fürsorgliche Steuerung der eigenen Fokussierung, das Leben im Augenblick. Allein schon durch das Beobachten des eigenen „Gedanken-Karussells“ dreht sich dieses langsamer (Kaltwasser 2010, 55). Dabei wird die für Pädagogen so wichtige Distanzierungsfähigkeit trainiert. „Wer erkannt hat, wie die ganz persönlichen Auslöser von Stress sich bei ihm persönlich anfühlen, hat den Schlüssel zur Veränderung gefunden. Wer gelernt hat, ein Zuviel an Muskelspannung zu lösen, der fühlt, dass er damit auch der inneren Spannung zu Leibe rückt. Wer sich dabei zusehen kann, wie das innere Selbstgespräch aus dem Ruder läuft, der hat es, während er sich dessen bewußt wird, schon unterbrochen“ (Kaltwasser 2008, 13).