MitarbeiterInnen, die an vielen Schulen fehlen

PISA-Ergebnisse: Qualifikation der Lehrer für die Qualität der Bildung am wichtigsten

Die Auswertung der PISA-Erhebung von 2015 zeigte einmal mehr, was Ewald Terhart treffend beschreibt: „Im Zentrum steht der Lehrer, für den allerdings seine Schüler im Zentrum stehen.“
Die Qualität der Lehrleistung steht in Zusammenhang mit einer verpflichtenden, längeren Trainingsphase. Dieses Ergebnis zeigt, dass die aktuelle Notstandsregelung mit den Quereinsteigern überprüft werden muss. Außerdem erhöhen die Möglichkeiten zur Fortbildung und systematisches Feedback die Qualität. (https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/9789264301603-en.pdf?expires=1528836370&id=id&accname=guest&checksum=E146890EB57862CBA439219B122FE6DC ). Andreas Hillert, der das AGIL-Programm für die Lehrer-Gesundheit entwickelt hat, betont, dass viele Lehrer keine positive Kultur der Kritikfähigkeit entwickelt haben.

Precht – sucht kreative Unruhe durch Gehen

R.D. Precht, der viele zum Philosophieren einlädt und sich für attraktive Bildung einsetzt, betont in einem aktuellen Interview (Süddeutsche Zeitung Magazin # 22 von 01.06.18), wie viel Bewegung er für kreatives Denken in seinem ritualisierten Tag benötigt und beschreibt den „Wissenshunger“ der Deutschen sowie die Begrenztheit wissenschaftlicher Erkenntnisse durch starre Kategorien.

Beiläufig merkt er an, wie sehr die verbreitete Routine üppiger Mittagsmahlzeiten die Kreativität und die geistige Wendigkeit bremsen können. Wie verbreitet ist das Essen nach Uhr, weniger nach Hunger? Das Gefühl für sich selbst, die Achtsamkeit, die Selbstfürsorge – ein wichtiges Bildungsthema.

Maßgebliche Faktoren für den Lernerfolg

Der renommierte Neurobiologe Gerhard Roth nennt als maßgebliche Faktoren für Lernerfolg:
„Unterricht in jeder Bildungseinrichtung verfolgt das Ziel, Wissen so zu vermitteln, dass diese Inhalte möglichst langfristig im deklarativen Gedächtnis der Lernenden hängenbleiben.

  1. Vertrauenswürdigkeit, Kompetenz und Feinfühligkeit des Lehrenden,
  2. Aufmerksamkeit,
  3. die allgemeine Motivation des Lernenden für Wissenserwerb und sein/ihr spezielles Interesse für ein bestimmtes Fach oder einen bestimmten Inhalt,
  4. die Anschlussfähigkeit an die Lebenswelt des Lernenden und an das bereits vorhandene Wissen,
  5. die Art und Strukturierung des Unterrichts,
  6. Fleiß und aktiver Aneignung,
  7. Wiederholung in zunehmenden zeitlichen Abständen.”

Roth, G: Wie Lernen gelingt. Zeitschrift des Arbeitskreises Schule und Psychiatrie-SchuPs. Nummer 26 2017, S. 4-6.

Problematische Situationen im pädagogischen Alltag gemeinsam angehen, u.a. mit “Neuer Autorität”

Das Konzept der „Neuen Autorität“ nach dem israelischen Psychologen Haim Omer ersetzt Gehorsam, Dominanz und Machtdemonstration, die der traditionellen Autorität zugeordnet werden, durch „pädagogische Präsenz“ unter anderem als „wachsame Sorge“ (Ankerfunktion) in einer Vernetzung von Maßnahmen und Haltungen. Vorhandene pädagogische Kompetenzen werden dadurch ergänzt und gestärkt, nicht ersetzt. Eltern und professionelle Pädagogen bemühen sich durch physische und psychische Präsenz, den Kindern Halt und Geborgenheit zu vermitteln. Bei drogenkonsumierenden Kindern wird zum Beispiel empfohlen, die Orte aufzusuchen, wo gedealt wird. Präsenz kann auch delegiert werden, an Verwandte und Freunde, die zum Beispiel durch eine Textnachricht zu verstehen geben, dass eine Mutter ein Fehlverhalten ihres Kindes transparent gemacht hat, wie wenn es nicht zur Schule geht. Entsprechend dem afrikanischen Sprichwort, dass es ein Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen, ist der Aufbau eines Netzwerks von Unterstützern für die Neue Autorität zentral. Dies kann mit „Wir“-Formulierungen ausgedrückt werden.
„Stärke statt Macht“ (so ein Buchtitel zur Thematik von Haim Omer und Arist von Schlippe) wird unter anderem erreicht, indem die Pädagogen deeskalieren, eigene Fehler offen eingestehen, ihre Selbstkontrolle trainieren, nicht für alles eine spontane Lösung haben müssen, sich nicht zur Überreaktion provozieren lassen, sondern „das Eisen schmieden, wenn es kalt ist“ (Omer/Streit 2016, 62). Dabei werden kreative Formen des Widerstands dem Verhalten angepasst, zum Beispiel ein „Dienstleistungsstreik“. Wie sollen Kinder verstehen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist, wenn man ihren Alltag mit Wäsche und Eltern-Fahrdienst unbeeindruckt fortsetzt! Solche Beharrlichkeit sollte deeskalieren. Die Erwachsenen bemühen sich, die Beziehung zu stärken und dem Kind gegebenenfalls zu verdeutlichen, dass es als Person willkommen ist, auch wenn sein Verhalten bedrohlich und grenzverletzend ist. Wenn Schädigungen verursacht wurde, gehört eine Wiedergutmachung zur Wiederherstellung der Reputation und des Selbstbildes des Täters.. . mehr

Bildungs-Experten fordern Lehrpläne zu entrümpeln

In einem Gastbeitrag für den SPIEGEL plädieren die Bildungsprominenten Nida-Rümelin, Zierer und Prenzel „Entrümpelt die Lehrpläne!“ (Nr. 27/30.6.2018, S. 48) „Die nachwachsende Generation braucht nicht nur Fachwissen, sondern auch Denkweisen; nicht nur die Tiefe in einem Fach, sondern auch die Verknüpfung der Fächer; nicht nur Expertentum, sondern auch Kreativität; nicht nur egozentrisches Leistungsstreben, sondern auch eine respektvolle und ethische Haltung gegenüber Mit- und Umwelt.“ Unter anderem fordern sie „den Unterricht an Schlüsselqualifikationen unserer Zeit wie soziale Gerechtigkeit oder ökologische Nachhaltigkeit auszurichten […], die Region und die Heimat in den Blick zu nehmen [… und] praktische, kreative und ethische Fragen für den Unterricht wiederzuentdecken – der Mensch ist mehr als das, was ein Intelligenztest misst.“